Nachhaltigkeit

Bitte nicht stören: Artenschutz im Brückenbau

Wenn die Lachse durch den Fluss ziehen, stehen die Arbeiten im Wasser an der neuen Stadtbrücke im norwegischen Drammen still. Denn Artenschutz hat Vorrang.

Rund 100.000 Menschen leben in der ehemaligen Arbeiterstadt Drammen. Die ist etwa 30 Autominuten von Oslo entfernt. An der Mündung der Drammenselva. Und darin leben mehr als 40 Fischarten. Darunter auch Lachse. Jetzt bekommt die Stadt ein Makeover. Und die PNC Norge, ein Tochterunternehmen der PORR Group, gestaltet hier wesentlich mit. Sie wurde beauftragt, die alte Brücke an der Drammenselva zu entfernen und an ihrer Stelle eine schmucke Stadtbrücke im Wert von rund EUR 85 Mio. und eine neue Freizeitkaianlage zu errichten. „Die Stadtbrücke ist ein zentrales Landschaftselement Drammens und sehr wichtig für den Charakter der Stadt. Hier bringt die PORR ihre große Expertise im Brückenbau ein“, erklärt Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR. Besonders wichtig beim Brückenbau: der Artenschutz. 

Rundumerneuerung

Ab 2025 wird die elegante weiße Brücke über den Fluss Drammenselva führen. Sie wird dabei einen wesentlichen Teil der Stadtachse zwischen Hauptplatz und Bahnhof bilden. Die 180 m lange Stahlbrücke wird 19,4 m breiter sein als bisher. Und man wird sie mit Autos, Fahrrädern oder zu Fuß überqueren können. „Die alte Brücke wurde 1936 errichtet und war nur auf 50 Jahre ausgelegt. Es ist also höchste Zeit, sie auszutauschen. Unsere Brücke ist für mindestens 100 Jahre gebaut“, sagt Karl-Heinz Strauss. Der Neubau ist dabei das Kernelement in der Rundumerneuerung von Drammen. Unter anderem wird das Stadtzentrum aufgewertet, der Verkehr nach außen verlegt, und die Uferpromenade und der Bahnhof werden neu gestaltet.

Und so entsteht die neue Verbindung: Zunächst wird die bestehende Brücke abgetragen, die Fundamente werden im Wasser aufgebrochen. Dann wird auf zwei schwimmenden Arbeitsplattformen von jeweils 20x20 m an den neuen Flussfundamenten und Auflagern gearbeitet. Schlussendlich werden die Stahlteile installiert. Abgerundet wird das Projekt mit einer durchgehenden Oberflächengestaltung. Die Teile für die Stahlbrücke werden von der neuen Stahlbaufertigung der PORR mit Bargen über das Meer nach Norwegen gebracht – der Transport am Wasserweg ist eine effektive und klimafreundliche Alternative zum Landtransport.

Beim Bau der Bybrua im norwegischen Drammen dürfen die durchziehenden Lachse nicht gestört werden. (c) PORR
Beim Bau der Bybrua im norwegischen Drammen dürfen die durchziehenden Lachse nicht gestört werden. (c) PORR
Beim Bau der Bybrua im norwegischen Drammen dürfen die durchziehenden Lachse nicht gestört werden. (c) PORR

Rundumschutz

Eine Herausforderung stellen die vielen Berührungspunkte mit der Norwegischen Staatsbahn Bane NOR dar, die in unmittelbarer Nähe Gleisanlagen und einen Fußgängerübergang erneuert. „Das Projekt hat aus unserer Sicht eine weitere Herausforderung – und zwar den Artenschutz“, erklärt Karl-Heinz Strauss. „Dieser ist gerade in Norwegen ein besonderes Thema, und es gibt für Baufirmen sehr strenge Auflagen. So dürfen wir zwischen Mai und September die durchziehenden Lachse nicht durch Arbeiten im Wasser stören.“ Neben den Lachsen bietet die Drammenselva 42 verschiedenen Fischarten ein Zuhause. „Die Brückeneröffnung ist erst für August 2025 geplant, um den Lachsen in den Sommermonaten genügend ungestörte Zeit zum Laichen zu bieten.“

Daten und Fakten

  • Projektart: Brückenbau / Stahlbau / Abbruch

  • Leistungsumfang: Neubau der Stadtbrücke in Drammen und Abriss der bestehenden Brücke. Der Neubau wird auf zwei Fundamenten im Fluss gegründet und das Tragwerk wird in Stahl ausgeführt. Ergänzende Oberflächenarbeiten und Installation einer Freizeitkaianlage.

  • Auftraggeber: Drammen Kommune

  • Auftragnehmer: PNC Norge AS

  • Leistungszeitraum: Mai 2022 bis April 2026, Fertigstellung der Brücke im August 2025

  • Auftragsvolumen: NOK 859 Mio. (rund EUR 85 Mio.)

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