Bauen mit Holz hat Tradition. Trotzdem: Moderne Holzprojekte waren vor ein paar Jahren noch undenkbar. Das ist heute anders.
Schon im zwölften Jahrhundert haben die Menschen in Europa HĂ€user aus Holz gebaut. Ein paar davon stehen heute noch. Holz hat sehr viele positive Eigenschaften. Es ist ein nachwachsendes Material und bindet verbaut eine Menge CO2. AuĂerdem ist Holz in Sachen WĂ€rmedĂ€mmung kaum schlagbar. Das spart nicht nur Energie, sondern auch Platz: Eine 6,5 cm dicke Wand aus Nadelholz dĂ€mmt beispielsweise im Schnitt genauso gut wie WĂ€nde aus 40 cm dicken Vollziegeln. Das Bauen mit vorgefertigten Elementen aus Holz ist zudem sehr schnell, prĂ€zise, gut planbar und somit auch kosteneffizient. AuĂerdem ist reines Holz optimal kreislauffĂ€hig.
Im Angesicht der Klimakrise und der Vorteile erneuerbarer Rohstoffe wurde Holz in den vergangenen Jahren als wertvolles Baumaterial wiederentdeckt. Viel Zeit, Geld und gröĂtes Engagement gingen in Forschung und Entwicklung. Mit Erfolg. Neue und weiterentwickelte Methoden sowie innovative Technologien erlauben Architektinnen und Planern der Gegenwart, mit dem Baustoff Holz ganz neue Ideen zu entwickeln und hoch hinauszudenken.
Viele Probleme gelöst
Holz kann schimmeln und ist vergĂ€nglich. Es vertrĂ€gt keine Feuchtigkeit, ist brennbar und nicht sehr tragfĂ€hig. Diese Probleme im Holzbau gehören der Vergangenheit an. Zahlreiche Projekte beweisen das. Die Freiburger Sacker Architekten bauen beispielsweise HallenbĂ€der vorzugsweise mit hohem Holzanteil, denn die Brettsperrholz-Dachbauteile bieten, anders als Stahl, keine AngriffsflĂ€che fĂŒr chlorhaltige Luft. Mit schlanken Querschnitten und dank ihres geringen Gewichts, können sie auch die groĂen Spannweiten ĂŒber Schwimmbecken sicher ĂŒberbrĂŒcken. Optimal dimensionierte LĂŒftungsanlagen und eine automatische Feuchtigkeitsregulierung schaffen ein konstantes Raumklima, in dem die Holzbauteile bedenkenlos eingesetzt werden können.
Die Leichtigkeit von Holz weiĂ auch das Architekturstudio IBUKU zu schĂ€tzen und nĂŒtzen. IBUKU hat unter anderem die Sporthalle The Arc geplant. Die Halle ist Teil eines Bildungscampus in Bali und besteht aus einer komplexen Bambuskonstruktion mit einer Reihe sich kreuzender, 14 m hoher Bambusbögen. Diese umfassen eine Spannweite von 19 m. Gitterschalen, ebenfalls aus Bambus, verbinden die Bögen. So kann mit schlanken Strukturen, Ă€uĂerst stabil und dabei sehr materialsparend gebaut werden. Die Halle von IBUKU wurde unter anderem bei den Global Design and Architecture Awards 2021 in der Kategorie Iconic Building ausgezeichnet.
Wolkenkratzer aus Holz
Weltweit entstehen auch immer mehr HolzhochhĂ€user. In der Hamburger HafenCity baut der Projektentwickler GARBE Immobilien-Projekte seit November 2020 mit dem roots das höchste Holzhybridhochhaus Deutschlands . Es umfasst 19 Geschosse â davon 16 in Holzbauweise â und misst circa 65 m. Oevermann, ein Unternehmen der PORR, errichtet den Stahlbetonrohbau. Die hoch lastabtragenden AuĂenwĂ€nde werden in vorgefertigter Elementbauweise umgesetzt. Gemeinsam mit Massivholzdecken und einem tragenden Innenwandring bilden sie das PrimĂ€rtragwerk des Turmes. Die Glasfassade ist primĂ€r dem Schallschutz geschuldet, ĂŒbernimmt aber auch eine Witterungsschutzfunktion. Insgesamt werden fĂŒr das Hochhaus inklusive RiegelgebĂ€ude rund 5.500 m3 Konstruktionsholz verbaut. Geplant haben das Projekt die Hamburger Architektinnen und Architekten von Störmer Murphy and Partners GbR.
In Sydney soll bis 2026 sogar ein 180 Meter hoher Turm mit 39 Geschossen in Hybridbauweise gebaut werden. Die Holzbauteile werden nach den PlĂ€nen der New Yorker Architekten SHoP und dem australischen ArchitekturbĂŒro BVN von einem Stahlskelett getragen und von einer Stahl-Glas-Fassade geschĂŒtzt.

Tradition und Moderne in Einklang
In der sĂŒdchinesischen Provinz Guangdong haben BrĂŒcken aus Holz Tradition. Ein rasantes Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Urbanisierung bedingen dort einen zĂŒgigen Ausbau der Infrastruktur. LUO Studio hat hier eine neue, 25 m lange BrĂŒcke realisiert â ganz im Sinne der örtlichen Tradition, ĂŒberwiegend aus Holz. Das Tragwerk besteht aus drei parallel angeordneten BogentrĂ€gern, der ĂŒberdachte Korridor schĂŒtzt die Passanten vor Hitze und Regen. Metallpaneele auĂen schĂŒtzen die Holzkonstruktion.
Das ArchitekturbĂŒro Henning Larsen wiederum, hat den ersten Kirchenneubau in Kopenhagen seit mehr als 30 Jahren entworfen. Der Standort im Kopenhagener Stadtteil Ărestad ist fĂŒr seine ausdrucksstarke, teils experimentelle Architektur bekannt. Die neue Kirche wird aus Holz gebaut. âIn Holz zu bauen und die Kraft des Lichts zu nutzen, war die naheliegendste Lösung; fĂŒr das Klima, fĂŒr den Kontext und fĂŒr die Gemeinschaft", sagt Jacob Kurek, Global Design Director bei Henning Larsen. âUnser Ziel war es, eine nachhaltige Kirche zu schaffen, die fĂŒr sich selbst steht und zur Tradition des Experimentierens mit der gebauten Umwelt in Ărestad beitrĂ€gt", ergĂ€nzt Nina la Cour Sell, Design Director bei Henning Larsen. Mit dem Bau soll 2024 begonnen werden.
Von Wellnesstempel bis Stadtquartier
Ăsthetik und Nachhaltigkeit waren auch bei der Planung des Wellnessbereichs vom Alpin Panorama Hotel Hubertus in SĂŒdtirol entscheidende Faktoren. NOA* Architekten haben eine zweigeschossige Wellnessplattform mit Pool und Sauna geschaffen, die 15 m ĂŒber dem Boden frei in der Landschaft schwebt. Möglich macht das eine leichte Konstruktion aus mehreren Aluminiumpaneelen, die auf einem Stahlrahmen sitzen. Zwei mit LĂ€rchenholz verkleidete SĂ€ulen tragen die Plattform. Im oberen Bereich befindet sich ein Pool. In den scheinbar ĂŒber Kopf hĂ€ngenden HĂ€uschen unten ein gemĂŒtlicher Saunabereich. Im Ruheraum verbreitet ein FuĂboden aus weiĂ geölter Eiche natĂŒrliche WohlfĂŒhlatmosphĂ€re. Bei diesem Projekt dient Holz nicht als tragendes Baumaterial, sondern setzt dezent Ă€sthetische Highlights.
Ein Projekt ganz anderer Dimension wird in Mailand realisiert. Bis 2032 soll am ehemaligen EXPO-GelĂ€nde ein neues Stadtquartier, das West Gate, entstehen. Auf einer FlĂ€che von 300.000 mÂČ wird die Stadt in der Stadt das höchste HolzgebĂ€ude Italiens sowie zahlreiche Wohn-, Freizeit- und BĂŒrogebĂ€ude aus Holz beheimaten. Der hohe Vorfertigungsgrad, innovative AusfĂŒhrungsmöglichkeiten und Aspekte der Nachhaltigkeit haben die Bauherren davon ĂŒberzeugt, vorwiegend auf Holz als innovatives Baumaterial mit Tradition zu setzen.

Wussten Sie, ...
- ⊠dass in Ăsterreichs WĂ€ldern jede Sekunde rund ein Kubikmeter Holz wĂ€chst? In 40 Sekunden ist damit etwa die Menge an Holz nachgewachsen, die fĂŒr ein Einfamilienhaus benötigt wird.
- ⊠dass jeder verbaute Kubikmeter Holz rund eine Tonne CO2 bindet?
- ⊠dass das roots im Vergleich zur Errichtung in konventioneller Bauweise 31 % COâ spart? Das entspricht insgesamt 3.520 Tonnen eingespartem COâ.









